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Higgins Higgins

Waldkatzenspielplatz im Detail

Sollte es tatsächlich noch Leser geben, die sich nicht vom tendenziell ernüchternden Prolog abschrecken ließen? Gut so, denn ganz so schlimm ist das alles gar nicht. Den meisten Kram sollte man selbst in nicht so gut sortierten Heimwerkstätten finden können, sodass sich die finanziellen Ausgaben und die Beschaffung der benötigten Dinge beinahe auf die reinen Materialien reduzieren und diese allein vom persönlichen Geschmack und Vorstellungen abhängen.

Aber allem voran steht der Plan. Ob nun mit spitzer Feder oder Computermaus, ein Plan muss her. Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Seite: konradsburg.net, wo man Anregungen für die eigenen Bauten findet und den ein oder anderen Hinweis an die Pfote gegeben bekommt. Man muss nicht glauben, dass der Plan beim Bau hilft, denn am Ende sieht der Kratzbaum eh anders aus. Aber man bekommt einen Überblick über die benötigten Elemente. Mit dieser Erkenntnis kann man zum Baumarkt tingeln und lässt sich seine Bretter schon fix und fertig zuschneiden. Das spart viel Herumgemesse, man hat saubere Schnitte, keine ausgebrochenen Kanten und keinen Staub. Und weil der Service kostenlos ist, gibt es keinen Grund diesen nicht in Anspruch zu nehmen. Gleiches gilt für die Rundhölzer, deren Verarbeitung durch eine ebene Schnittfläche überaus vereinfacht wird.

Wie ihr auf den begleitenden Bildern sehen könnt, haben wir nun ca. 5000 Bretter, die alle schon auf Länge geschnitten sind. Es könnte also losgehen. Erklärende Worte zu den eigentlichen Arbeiten erspare ich mir, denn die meisten Schrauben haben Rechtsgewinde, mit einer gleichmäßigen Vor- und Rückwärtsbewegung kann man Schmirgeln und die Vorzüge einer Flachdübelfräse hat man nach der sechsten Nut auch verinnerlicht und fragt sich, wie man bisher nur ohne diese leben konnte.

Wir sind also schon mittendrinnen. So weit es sich machen ließ und sinnvoll erschien, habe ich auf die Verwendung von Schrauben verzichtet, habe stattdessen die Platten gedübelt und verleimt. So sollte selbst bei der wildesten Katzenrauferei nichts passieren. Zwar gibt es Meinungen, Runddübel seien stabiler als die flachen und das mag vielleicht auch so sein, aber mein Versuch hat gezeigt, dass bei Überbelastung eher das Holz an seine strukturellen Grenzen kommt denn die Dübel oder die Klebeflächen.
Die Katzen werden diese Verbindung sicher nicht kaputtbekommen. Wer die Anschaffung dennoch scheut, aber auch keine Ständerbohrmaschine zur Verfügung hat, der könnte sich damit behelfen, die Elemente erst zu verleimen. Nach dem Aushärten bohrt man dann einfach von außen durch beide zu verbindenden Platten und leimt den Dübel nach. Nun muss man den Dübel nur noch kürzen und die Fläche glattschmirgeln. Das ist vielleicht nicht die eleganteste Lösung, aber zumindest passen die Dübel und die Sache gewinnt an Stabilität. Wie gesagt, mit handgeführten Bohrgeräten ist das auf konventionelle Weise kaum machbar, da kleinste Verhärtungen oder Astlöcher im Holz ausreichen um selbst einen Holzbohrer verspringen zu lassen. Auch wenn es immer nur Millimeterbruchteile sind, so vervielfachen sich diese bei komplexeren Gebilden.

Ihr werdet sehen, im Pfotenumdrehen hat man eine ganze Reihe an fertigen Elementen, die (wenn sie brav glattgeschmirgelt wurden) an den Kratzbaum möchten. Wir kommen also zur Grundplatte. Diese besteht in meinem Falle aus den 28mm-Platten, die ich mir zu 1m-Stücken zurechtschneiden ließ. Die Seiten werden mit Dübelschlitzen versehen, sodass man die einzelnen Platten später zu einem Ganzen zusammenführen kann.

Hinweis:
Wenn man die Platten auf eine Renovier-Decke legt, dann wird der Trittschall noch ein wenig gedämpft und das Umherschieben der Einzelsegmente funktioniert besser. Zudem verhunzt man sich nicht den Fußboden beim Verbinden der Grundplatten.

Vorerst sind wir aber froh drum, dass wir vier Teilflächen haben, denn so lassen sich die Kratz- und Kletterstangen viel besser anbringen. Jetzt wäre ein Blick in den Plan nicht schlecht, denn es müssen die Löcher für die Rundholzschrauben in die Grundplatten gebohrt werden. Sollte man hier eines vergessen, dürfte es später ein lustiges Schauspiel werden, den vergessenen Pfahl von unten an die Platte zu bekommen. Damit die Platte nicht auf den Schraubenköpfen dahereiert, fräsen wir die Löcher auf der Unterseite noch ein wenig aus, fädeln die U-Scheiben auf die großen Holzschrauben, geben ein bisschen Leim auf die Standfläche der Stange und verschrauben das Gehölz. Spätestens jetzt sieht die ganze Sache schon spannend aus.

Spannender wird es, wenn die Stangen mit Sisal umwickelt werden (müssen). Das ist mit Abstand die undankbarste Arbeit des ganzen Projektes. Man bringt Stunde um Stunde zu, bekommt gestresste Mischhaut an den Pfotenballen und muss sich mit meterlangen, verdrehten Sisalschnüren herumärgern. Generell ist das eine Arbeit, die man besser zu zweit erledigt. Nach den Erfahrungen beim Umwickeln der vier Stangen lässt sich sagen, dass es wohl am besten geht, wenn man die Hölzer schon auf die Grundplatte geschraubt hat und von dort aus umschlingt. Anders als beim Wickeln der noch unbefestigten Stangen muss man bei den befestigten das Seil immer wieder über das Holz heben. Auf die Weise wird (zumindest bei mir) der Drall aus dem Sisalseil genommen und man muss sich nicht mehr alle paar Wicklungen mit dem sich langsam aber sicher verwirrenden Seil herumärgern. Dumm nur, dass uns das erst bei der letzten Stange aufgefallen ist. Aber euch gebe ich die Geheimnisse der Sisalseilerei gerne preis, auf dass es euch viele Flüche erspare. Wenn ihr vor dem Wickeln noch ein wenig Leim auf das Holz gebt, die Wicklungen regelmäßig festdrückt und immer mal eine Krampe an eine unzugängliche Stammseite einschlagt, dann bekommt ihr mit viel Geduld einen Vollholzsisalstamm, der auch kletternde Katzen aushält.
Theoretisch könnte man die benötigte Seillänge grob ermitteln, indem man den Umfang des Rundholzes ermittelt und mit dem Quotienten aus Stammhöhe und Seildurchmesser multipliziert. Aber je nach Seilqualität variiert gern auch mal der Durchmesser von Meter zu Meter, das Andrücken der Wicklungen verfälscht und der Leim gibt der Rechnung den Rest. Am besten ist wohl, man misst sich 10m Seil ab, wickelt es und hat nun einen am Holz direkt ablesbaren Wert für eine Hochrechnung. Wenn man hier zu knapp kalkuliert, dann spart man am falschen Ende, denn Sisalseil ist sicher nicht das teuerste am selbstgemachten Kratzbaum.

Na sieht doch gar nicht schlecht aus

Wir haben die Elemente, die Kratzstämme sind bereit, dann muss man eigentlich alles nur noch verbinden. Dazu muss man nicht viel sagen. Wichtig ist hier nur, dass man die Bohrlöcher vernünftig senkt, damit die Schraubenköpfe bündig mit dem Holz abschließen. Das Leimholz lässt sich zwar hervorragend verarbeiten und verhält sich äußerst gutmütig, aber man muss nicht versuchen, M6-Schraubenköpfe ins Holz zu prügeln. Ich habe hierfür rostfreie Torx-Schrauben verwendet, da diese relativ runde Köpfe haben und kaum Möglichkeit für Verletzungen geben. An manchen Stellen kamen auch Möbelverbinder mit Kunststoff-Abdeckung zum Einsatz. Allerdings erscheint das dann doch zu dekadent, zumal die auch nicht sooo arg viel aushalten. Für Katzen mit Temperament müsste man viele einplanen, oder eben doch Schrauben und ein bisschen mehr Leim nehmen.

Fast fertig.

Wer mag, lackiert das ganze Ding nun noch. Hierfür habe ich speziellen, spielzeuggeeigneten, antibakteriell wirkenden Lack genommen, der geruchlos trocknet. Ob dieser Schritt wirklich nötig ist, weiß ich nicht, aber die Holzoberflächen wurden dadurch noch etwas kratzfester. Nun fehlen noch abrundende Details wie die selbstklebenden Teppichfliesen auf den Liegeflächen. Diese machen das Liegen angenehmer und geben mehr Griff beim Herumtoben. Am Schluss wird der Lüftungsschlitz über die Heizung angebaut, ein paar Tatzbälle unter den Korb gebunden und alles Holz in Wandnähe angedübelt.

Der hält!

Nun muss man nur noch schauen, was die Katzen darüber denken. Unsere zumindest finden den Spielplatz gut und nutzen jede Ecke.

 
 

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